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Montag, 9. Oktober 2017

Der Overlocktest

Hallo meine lieben verrückten Näh-Hühner!

Wer mir auf Instagram und Facebook folgt, hat ja zum Teil schon mitbekommen, dass ich seit dem Sommer Overlockmaschinen teste. Nicht irgendwelche, sondern die beiden hochwertigsten, die es momentan im Nähpark zu kaufen gibt. 
Ich nähe im Laden schon lange mit einer Bernina 800DL, die genügt mir dort auch total, weil ich während der Geschäftszeiten sowieso kaum zum nähen komme, und für ein paar schnelle Sachen hier und da, bin ich mit ihr voll zufrieden.
Zu Hause allerdings hatte ich bisher immer noch meine Anfangs-Einsteiger-WillnichtsovielGeldausgebendennwerweißobichüberhauptbeimNähenbleibe-Maschine von W6. Ja, die ist für den Einstieg ok, vor allem der Preis. Aaaaber, Komfort ist anders.
Vor Allem, wenn man mal was "besseres" ausprobiert hat. Die W6 näht zwar für den Hausgebrauch ganz ok, aber fühlt sich im Gegensatz zu hochwertigen Modellen natürlich an wie ein Traktor. Und richtig dicke Stoffe kann sie auch nicht wirklich ohne dass irgendwas kaputt geht. Zumindest war das bei meiner so. Ich hatte mir die Stichplatte damit kaputt gemacht und dann ging natürlich nix mehr. 
Also muß jetzt definitiv was Gescheites her. 
Da ich aber nicht wirklich wusste, was ich möchte, nur worauf ich Wert legen würden, hab ich vom Nähpark die Möglichkeit bekommen, die beiden besten auszuprobieren, die sie momentan auf Lager haben. Natürlich hatte ich schon viel von der neuen Bernina gehört, viele meine Kolleginnen haben sie ja auch, aber mir kamen auch negative Bewertungen zu Ohren. Der berühmte "Linke-Nadel-Fehler" spukte auch in meinem Kopf herum. Das war eigentlich das Ausschlaggebende, warum ich mir nicht gleich sofort diese Bernina kaufen wollte. 
Da kam dann noch die tolle Juki in Betracht, wegen dem Jet-Air-System, und überhaupt hat Juki einen "guten Ruf", zumals sie ja auch für Bernina und Babylock einige Maschinen bauen. Also haben sie ja Ahnung von der Materie.
Nun gut. Als erstes bekam ich dann eine gebrauchte Bernina L 460 zum Ausprobieren, die aber anscheinend irgendeine Macke hatte, die sich beim intensiveren Nähen zeigte. Mir gefiel die Geräuschkullisse und das Nähgefühl nicht. Genäht hat sie tadellos, das wäre es nicht gewesen. Aber irgendwas hatte sie, dass wir keine Freunde wurden. Allerdings hab ich trotzdem sehr viel mit ihr auspobiert und viele verschiedene Garne (auch Nicht-Nähgarne wie Häkelgarn) getestet. Dazu kann man gerne auf Instagram bei mir einige Bilder ansehen, das würde jetzt den Rahmen sprengen, die hier auch noch hochzuladen. Also die kreativen Möglichkeiten haben mich schon sehr gereizt.
Nun gut, wir waren da noch keine Freunde, also ging sie zurück und die Juki kam an.
Ich war gleich sehr fasziniert von der modernen, professionellen Erscheinung. Aber das LCD-Display (oder heißt das so?) welches so ein nettes, blaues Licht hat, hat sich schnell als mehr Schein als Sein herausgestellt. Erst denkt man, man könne hier sämtliche Sachen einstellen, wie etwa verschiedene Stiche, oder Spannungen oder oder.... aber neeeee, es ist quasi "nur" eine elektronische Tabelle zum Nachschlagen, welche Einstellung man für welchen Stich benötigt. Hm.... das kann ich in der Bedienungsanleitung eigentlich auch nachblättern. Und ich hab es ehrlich gesagt auch nie benutzt.
Was allerdings ein wirklich cooles Feature der Juki MO-2000QVP ist, ist das Jet-Air System. Zumindest wenn man es das erste Mal macht. Für Einfädel-Phobiker ist das wohl ein Träumchen. Meine Juki-Tester-Kollegin Bellabü hat dazu ein tolles Video gedreht, das ich Euch >>>hier<<< verlinke.
Wie gesagt, erst ist es ein wirklich nettes Feature, aber dann musste ich feststellen, dass ich damit eigentlich auch nicht schneller bin, als mit manuellem Einfädeln. Zumal ich bekennender Anknoter bin, und damit relativ leicht die neue Farbe einfach durchziehen kann. Und das klappte bisher eigentlich bei allen Overlocks, die ich so in den Fingern hatte. Aber wer Einfädeln hasst, dem wird hier geholfen.
Das war nun DAS Highlight der Juki. Dass sie allgemein toll näht und sich sehr hochwertig anfühlt, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen, das kann man in dieser Preisklasse auch erwarten. Was mir auch sehr gefallen hat, ist dass sie eigentlich ohne irgendwelche Einstellungen zu ändern, sämtliche Stoffe superschön und ordentlich näht. Erst bei megadicken Sachen könnte man mal am Schräubchen drehen, aber sonst..... extrem pflegeleicht ;-) 
Die ganzen technischen Details dieser Juki, auf die ich hier nicht auch noch eingehen möchte, könnt ihr >>>hier<<< beim Nähpark nachlesen.
Ich hab viel mit der Juki genäht, nix ausgefallenes, eben so Alltags-Sachen die ich ständig nähe, also meistens Jersey zusammennähen. Dafür brauch ich die Overlock ja. Und ich war wirklich äusserst zufrieden mit ihr. Sie "frißt" übrigens jedes Garn, auch billiges vom Stoffmarkt, oder das vom L*dl, das ich auch gerne nehme weil ich es gar nicht so schlecht finde. Und natürlich auch das Garn, das ich selber bei mir im Laden verkaufe, das war mir logischerweise auch sehr wichtig.
Aber das hat die Bernina ebenso anstandslos genommen. 

Fassen wir einfach mal die Punkte zusammen, die mir bei einer Overlock wichtig sind:

1. Sie darf nicht rumzicken und muß zuverlässig sein.
2. Sie soll auch mit Billiggarn umgehen können.
3. Die Nähte sollen auch bei verschiedenen Stoffen gleichbleibend schön aussehen, ohne tausend Einstellungen durchprobieren zu müssen.
4. Sie soll schnell sein.
5. Sie soll sich beim Nähen gut anfühlen.
6. Sie soll sich angenehm anhören.

Das waren so meine wichtigsten Kriterien. Und das war dann auch das Schwierige bei den beiden. Denn diese Kriterien erfüllen sie eigentlich beide.

Vor allem, als ich dann meine zweite Bernina L460 zugeschickt bekommen habe (da ich ja der Überzeugung war, mit der ersten stimmte irgendwas nicht), war ich dann auch von ihr sehr überzeugt. Denn diese fühlt sich so an, wie sich Bernina meiner Meinung nach anfühlen muss. Einfach gut und hochwertig. 
So nun hab ich zwei wirklich gute Maschinen hier, die beide meinen Ansprüchen durchaus genügen, und muss mich nun entscheiden. Da beide die Grundvoraussetzungen erfüllen, geht es quasi an die Zusatzfunktionen. Was kann die eine, was kann die andere? Drum hab ich hier mal den Direktvergleich gewagt:


Links die Juki MO 2000QVP - und rechts die Bernina L 460
optisch beide sehr nett anzusehen ;-) 


Hier mal der Vergleich vom Nählicht. Beides mit LED, beides hell und gut beleuchtet. Die Bernina hat lediglich ein wenig mehr Fläche, die ausgeleuchtet wird.

Von der Größe her sind beide natürlich etwas mächtiger als preisgünstigere Modelle. 
Die Juki ist von vorne etwas schmaler als die Bernina, aber insgesamt sind sie relativ gleich groß.


So sehen die beiden hübschen von Innen aus:

 

Beide Maschinen hab einen ganz praktischen Deckel, der das wichtigste Zubehör gleich beinhaltet.
So hat man immer alles gleich griffbereit:

 

und hier sieht man noch die Einstellungsmöglichkeiten im Inneren, wie Rollsaumhebel oder den Hebel für das Obermesser, sowie das Rädchen für die Schnittbreite links bei der Juki, und rechts nochmal bei der Bernina. Die Bernina hat zusätzlich noch die MTC-Fadenkontrolle, damit kann man regulieren "wieviel" Faden gegeben wird und noch ein wenig an der Breite feilen und damit die Naht so perfekt wie möglich einstellen. Das Feintuning ist hier also besser.


Die Stichauswahl ist bei beiden übrigens relativ gleich, beiden können quasi alles ;-) 
Allerdings punktet die Bernina eindeutig bei dekorativen Nähten, wie z.B. mit Häkelgarn, oder mit Dekorgarnen. Nicht dass die Juki das nicht könnte, aber durch das Jet-Airsystem (bei mir liebevoll "Pustedings" genannt) muss man erst mal mit dicken Garnen durchkommen! Mit Pusten ist da nix mehr. Dafür liegt zwar eine Art Draht im Zubehör bereit, mit dem man das Garn dann manuell durch die Luftkanäle schlängeln soll, aber wer will das machen??  Hm.... 

Hier dann nochmal außen die Rädchen für Stichlänge und Differentialtransport:


Und natürlich kann man bei beiden oben noch den Nähfußdruck verstellen, das sieht jeweils so aus:


Und hier noch ein nicht unwichtiges Detail der Beiden im Vergleich, das Fußpedal!
Links von der Juki, ein einfaches Standard-Modell ohne weitere Funktionen, und rechts das Bernina-typische, große Fußpedal, rutschfest gummiert und steuert eines der Maschinen-Highlights, nämlich das Versenken und Heben der Nadeln wenn man mit der Ferse drückt. Äußerst praktische Sache!
Ausserdem finde ich, dass das Bernina Fußpedal die Steuerung der Geschwindigkeit noch viel präziser ermöglich. Gaaaaanz langsam geht damit auch.
Apropos Geschwindigkeit: Die Bernina kann wesentlich schneller nähen als die Juki. Auch nicht uninteressant für mich, vor allem wenn ich z.B. einige Pumphosen für den Laden nähen möchte, geht das natürlich ratzifatzi. 




Und hier dann die für mich jeweils größten Maschinen-Highlights:
links bei der Juki natürlich das Pustedings ;-) und rechts bei der Bernina eindeutig der Kniehebel!


Das Air-System soll das Einfädeln deutlich leichter machen. Joah..... hm.... es ist schon nett, wenn man den Faden da so durchschießen kann, aaaaber:
Bin ich damit wirklich schneller als manuell? -----> nö. Denn bis zu diesen beiden Löchern hin muss ich trotzdem selber den Faden führen und erst ein Stückchen hineinpopeln, bevor der Luftstrom den Faden fassen kann, dann wird er allerdings schnell und einfach durchgepustet und kommt gleich an der richtigen Stelle wieder raus. Die beiden Nadelfäden muss ich allerdings auch herkömmlich einfädeln. Also wenn ich eine Overlock schon des öfteren selbst eingefädelt habe, und etwas Übung besitze, bin ich eigentlich genauso schnell.. Vor allem wenn ich, wie ich weiter oben schon erwähnt habe, die neue Farbe einfach an die alte anknote und durchziehe.
Also: nett, aber brauch ich nicht unbedingt.

Dann schauen wir uns mal den Kniehebel der Bernina an. Wofür soll der gut sein?
Damit hebt man den Nähfuß hoch, um sein Nähstück drunter zu platzieren. 
Warum braucht man das? Damit man die Hände frei hat um beispielsweise mehrere Stoffschichten zusammenhalten zu können. Das ist vor allem praktisch wenn ich z.B. Bündchen an Babypulliärmel nähen möchte und das eh schon so arg pfriemelig ist, und alles wieder auseinanderfallen würde, wenn ich eine Hand für den Nähfußhebel bräuchte.
Brauch ich sowas? Ja. definitiv. Kann ich sehr gut brauchen.
Das ändert auch nichts daran, dass ich Turnübungen veranstalten muss, um ihn zu betätigen, den Kniehebel, weil meine Beine so kurz sind, dass mein Knie gar nicht hochkommt *prustvorlachen*.
Vielleicht bräuchte ich dazu einfach einen niedrigeren Arbeitstisch.
Einen Anschiebetisch hat die Bernina auch dabei... allerdings fand ich den nur so lala, weil der mir immer den linken Deckel aufmachte, wenn ich mich nur ein wenig drauflehnte, und das kann ich beim Nähen nicht immer vermeiden. Aber den muss man ja nicht dran machen.

Die weiteren technischen Details zur Bernina L 460 könnt ihr hier nachlesen: 

Und wie nähen nun die Beiden?
Ich hab da mal was probiert.....

Hier mal Alpenfleece einlagig, einmal vorne, einmal hinten. Oben ist die Bernina-Naht und unten die Juki-Naht: 
Sehen beide zufriedenstellend aus.


Hier dann zweilagig mit Alpenfleece:
auch für beide kein Problem.


Jetzt wird es interessanter mit vier Lagen Alpenfleece: 
Oberes Bild die Juki, nahezu perfekt, das Bild darunter  die Bernina......uuuups, was ist das???
ist das der beühmte "Linke-Nadel-Fehler"? (untere Naht)




Nein! Alles reine Einstellungssache. Die Bernina ist wohl ein wenig empfindlicher, was die Regulierung betrifft, aber wenn man bei so dicken Sachen einfach die linke Nadelfadenspannung runter dreht, wie hier so bei mir: 


dann erhält man ein ebenso zufriedenstellendes Ergebnis: 
(wobei vier lagen Alpenfleece eh schon echt übertrieben waren)
Ja kann man bestimmt noch perfekter einstellen, die Zeit hab ich mir jetzt nicht genommen. 


Hier hab ich nochmal ein bisschen auf normalem Sweat genäht:


Beide Nähte einwandfrei.

Dann hab ich mich mal an Fleece gewagt, weil ich mit meiner alten W6 da oft an meine Grenzen gestoßen bin, oft war zweilagig schon ein Problem damit. 
Die beiden hübschen hier haben das wunderbar gemacht.


Dann gleich mit drei Lagen richtig dickem Alaskafleece:


Und sieheda.... kein Problem:
(hier die Rückseiten)


Auch der Übergang zu immer mehr Lagen wurde problemlos gemeistert!

Tja, also nähen können Sie beide ganz toll.

Wirklich schwere Entscheidung....
preislich liegt die Juki mit momentanen 1199.- Euro ein wenig über der Bernina,
die zur Zeit sogar im Angebot von nur 989.- Euro ist, statt vorher 1099.- Euro.
Aber das ist finde ich kein ausschlaggebendes Argument.

Ich lasse hier eindeutig mein Bauch- bzw. mein Nähgefühl entscheiden.




Also........








und hier einziehen darf die........










 









So, ich hoffe, Euch hat mein Vergleich ein wenig gefallen und ich konnte Euch
vielleicht auch ein wenig bei der Entscheidungsfindung helfen.
Wie gesagt, beide sind toll, ihr müsst Euer Bauchgefühl entscheiden lassen! 

Bis bald,
Euer
kuschelsterndal

Kommentare:

  1. Gratulation zur Neuen!
    Ich liebe sie auch und besonders den Kniehebel, obwohl ich den früher bekannterweise ja gar nicht mochte. Abhilfe brachte es, den Tisch eine Stufe niedriger aufzubauen. Außerdem benutze ich das Pedal jetzt links und den Kniehebel mit rechts.
    Einzig die Aussage, sie muss auch mit Billiggarn können, hat mich etwas gestört. Natürlich freu auch ich mich, wenn ich meinen Altbestand abbauen kann (wir haben doch alle schon mal billiges Garn gekauft), aber wenn eine meiner Maschinen das nicht mag, kommts eben weg. Wer das nicht will, nimmt es als Greiferfaden, da kommt es nicht so drauf an.
    Lg
    Tanja

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    1. Ja weißt du mit dem Garn ist das so eine Sache. Ich verkaufe ja auch ein Quasi-No-Name Overlockgarn im Laden, und wenn ich das selber nicht verarbeiten kann, dann muss ich auch aufhören, es zu verkaufen. Ausserdem bin ich der Meinung, eine Maschine muss so arbeiten, wie ich das will, und nicht ich so wie die Maschine das möchte. ;-) LG

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  2. LIebe Sandra,
    Bernina ist und bleibt auch mein Favorit :D Ich wünsche Dir viel Spaß beim nähen und auch wenn ich versorgt bin ... (1150MDA, L220, B750) war es trotzdem sehr interessant Deinen Bericht zu lesen.
    LG Simone
    Ähm ich nähe am liebsten mit Markengarn und habe aber noch ein paar Billiggarne. Es funktioniert auch einwandfrei.. vielleicht reißt es mal aber selten... ich finde bloß die Fäden sind einfach nicht so glatt und schön *jammernaufhohemNiveau* ;)

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  3. Yeah endlich *lach* was hab ich auf deinen Bericht gewartet ������ Danke dafür

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